Marschbegleitung
Zum Thema Marschbegleitung habe ich eine Menge zu erzählen, so z.B. von einer amerikanischen Flugabwehreinheit, die sich langsam in Luft auflöste. 

Wir hatten an einem Wochenende eine amerikanische Kolonne von Putlos nach Todendorf zu begleiten. Als wir schließlich dort auf dem FlaSchießplatz ankamen, stellten wir fest, daß ein großer Teil der amerikanischen Fahrzeuge verschwunden war. Wir (StFw H. und ich) entschlossen uns, die Strecke nochmals in entgegengesetzter Richtung abzufahren. Tatsächlich ent- deckten wir auch ein paar liegengebliebene Fahrzeuge, um die sich gerade der Lumpensammler kümmerte. Das war jedoch nur eine Handvoll von dem, was fehlte. Als wir dann auf der erneuten Fahrt nach Todendorf in Lütjenburg vorbeikamen, sahen wir am Straßenrand einen Feldjäger von den Kielern stehen. Als wir diesen nach unseren Schäflein fragten, erfuhren wir, daß auf dem Lütjenburger Bahnhof eine amerikanische Einheit verladen werden sollte. Böse Ahnungen trieben uns dann zum Bahnhof, wo wir schließlich feststellen mußten, daß sich „unsere“ Amis einfach einer anderen Kolonne angeschlossen haben und nun auf die Verladung warteten. Mit der Einheit, die dort tatsächlich verladen sollte, hat unsere verselbständigte Kolonne ein heilloses Durcheinander hingezaubert, das nur schwer wieder aufzulösen war. Letztendlich hat es aber doch geklappt, wobei ich allerdings nicht die Hand dafür ins Feuer legen will, daß nicht doch das eine oder andere Fahrzeug auf einem Panzertransporter in Richtung Kaserne gefahren ist. 
 

Ein anderer Marsch, aber wieder einmal Putlos. Eine deutsche Panzereinheit hat auf dem Oldenburger Bahnhof (Oldenburg in Holstein, nicht Oldenburg in Oldenburg) entladen und sollte von uns zum TrÜbPl Putlos begleitet werden. In solchen Marsch- begleitungen hatten wir bereits große Routine, da Putlos wegen des großen Aufkommens an Märschen ständig auf der Tages- (und Nacht-)ordnung stand. Vom Bahnhof kommend geht es ersteinmal geradeaus über eine größere Kreuzung. Nach einigen hundert Metern biegt man links ab, um auf die Fernstraße in Richtung Puttgarden zu kommen. Diese Straße verläuft in einer weiten Rechtskurve und an der nächsten Auffahrt geht es schon wieder runter und dann links in Richtung Putlos. Die erste Panne passierte bereits vor der Auffahrt zur Fernstraße. Ein Teil der Kolonne lag wahrscheinlich im Tiefschlaf und fuhr einfach geradeaus weiter. Hinter der Unterführung stoppten die Leoparden schließlich und harrten der Dinge, die da kommen sollten. Die Dinge, die dann schließlich kamen, war eine Feldjägerstreife in Person von Uffz K. und StUffz Linberg, die erst den Rest der Kolonne zum Platz gebracht haben und dann die vermißten Teile suchten. Kurzerhand wurde die Straße in beiden Richtungen abgesperrt, um den Panzern ein Wenden zu ermöglichen. Der mehrfache kreisförmige Gummiabrieb auf diesem Straßenstück erinnerte an die Meldung gelandeter UFO’s auf Feldern. Die Hoffnung, auch diesen Teil der Marschkolonne schnell nach Hause zu bringen, wurde jedoch bitter enttäuscht. In der oben beschriebenen langgestreckten Rechtskurve blieb einer der Leos liegen. Die ganze Kolonne kam zum Stehen und damit auch der ganze Verkehr auf der an dieser Stelle einspurigen Fernstraße. Auf mein Fragen gaben die Panzermänner einhellig an, daß sie das gleich wieder im Griff hätten. Tatsächlich schien es auch so zu sein, aber bereits nach ein paar Metern stoppte der Panzer wieder. Und wieder erhielt ich die Antwort, daß das gleich erledigt sei. Diesmal ließ ich mich jedoch nicht darauf ein und brachte, nachdem ich den stehenden Panzer in der Abenddämmerung absichern ließ, den Rest der Kolonne zum Übungsplatz, wo ich dann auch einen Bergepanzer alarmierte, der den liegengebliebenen Leo aufsammeln sollte. Ob und wann der dann auf dem Platz erschien ist mir nicht mehr bekannt. Vielleicht hat er es ja auch aus eigener Kraft geschafft. 
 

Es war irgendeine Übung, wahrscheinlich Bold Guard, an der auch amerikanische Marines-Einheiten teilgenommen hatten, die mit Schwimmpanzern ausgerüstet waren. Ausgangspunkt dieser motorisierten Wanderung war Todendorf und Zielpunkt war Kiel, wo die GI’s einschiffen sollten, wobei uns der Marsch irgendwo vor der Landeshauptstadt von den Kielern abge- nommen wurde. Was wir jedoch vorher nicht wußten, was uns dann aber umso deutlicher auffiel, war die Tatsache, daß diese schwimmenden Ungeheuer keine Gummipolster zwischen den Kettengliedern besaßen. Man kann sich vorstellen, wie die Straße hinterher aussah, zumal es sich um keine kleine Kolonne handelte, die wir da begleiteten. 

Apropos Marines. Als wir selbst in Putlos auf dem Übungsplatz lagen, um unsere Schießkünste zu verbessern, war ein paar Baracken weiter MP vom USMC untergebracht. Es kam natürlich zu Kontakten, bei denen wir auch unsere Bewaffnung vergleichen konnten. Zwischen der 44er Munition von denen und unserer 9 mm Munition klafften wirklich Welten, schon allein was die Dimension betraf. 
 

Einmal mußte ich einen Gepard (einen einzelnen!) nach Boostedt bringen. Wenn ich mich recht erinnere, war der ursprünglich auf einem Elefanten verladen (man stelle sich mal einen Geparden vor, der auf einem Elefanten reitet), der in der Nähe von Plön eine Böschung runtergerutscht ist. Der Gepard wurde entladen und sollte dringend nach Boostedt gebracht werden. Mit ent- sprechender Geschwindigkeit jagten wir dann auch in Richtung Neumünster. Bei rot und daher unter Einsatz des Martinshorns ging es dann links auf den Ring und dann nochmals links in Richtung Boostedt, wo sich die Panzerleute für die „Hochge- schwindigkeits“-Begleitung bedankten. Meines Erachtens kam uns in Neumünster eine Polizeistreife entgegen, die bestimmt nicht schlecht gestaunt hat, als wir mit Blaulicht und Martinshorn und nur (!) einem Panzer im Schlepp durch die Stadt gerast sind. 
 

Zwischen Bad Segeberg und Itzehoe habe ich mal eine Marsch begleitet, der aus einer Reihe von Elefanten bestand. Da ich auf einer Kreuzung stand, um die Transporter erstmal auf den rechten Weg zu lotsen, hatte ich nachher das Problem, mich an die Konvoispitze zu setzen, da ja auch noch der Gegenverkehr da war. Blieb mir also nur noch die Möglichkeit, den an dieser Straße einigermaßen breiten Fuß-/Radweg zu nutzen. Die Transporter haben bestimmt ungläubig geguckt, als sie auf einer einspurigen Straße rechts überholt wurden. Glück gehabt, daß kein Fußgänger oder Radfahrer versucht hat, mich aufzuhalten. 
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Austellung „Unsere Luftwaffe“
Sechs Wochen bin ich mit der Luftwaffenausstellung durch Schleswig-Holstein getingelt. Von Neumünster war noch der Oberfeldwebel D. dabei und von den Kielern Hauptfeldwebel Sch. und Stabsunteroffizier Thorsten B, den ich noch aus der Grundausbildung und dem Uffz-Lehrgang kannte. Unsere Aufgabe bestand im wesentlichen darin, die Märsche zwischen den Ausstellungsstandorten zu begleiten und während der Ausstellungen Einlaßkontrollen durchzuführen (was sich in der Regel darauf beschränkte, die Besucher zu zählen). 

Untergebracht waren wir in der Regel in recht guten Hotels oder Privatpensionen. Es konnte dann mit der Zimmerbelegung immer so geschichtet werden, daß einer ein Einzelzimmer hatte und so seine Frau unterbringen konnte. Ich muß sagen, meine Frau war ziemlich oft bei mir in diesen sechs Wochen. Zufällig hat sie auch einen der Hubschrauber-Rundflüge gewonnen, die immer unter den Besuchern ausgelost wurden. Der Frau von Oberfeldwebel D. ging es ebenso. In Burg/Fehmarn und Flensburg hatten wir wirklich tolle Hotels (in Flensburg sogar mit Swimmingpool), in Bordesholm habe ich in Neumünster in der Kaserne geschlafen und in Tönning waren wir in einer privaten Pension untergebracht. Das witzige daran war, daß Thorsten und ich im Schlafzimmer der Vermieterin eingezogen sind, da die vorbestellte Zimmerzahl nicht ausreichte. Die Vermieterin selbst hat wohl irgendwo in der Nachbarschaft geschlafen. Da Thorsten abends öfters nach Hause nach Hamburg gefahren ist, hatte ich also die Privatgemächer der Wirtin für mich alleine. Als sie uns ihr Schlafzimmer überließ, meinte sie, daß sie zu uns beiden Feldjägern mehr Vertrauen hätte als zu den Luftwaffensoldaten (nicht böse sein fliegende Kameraden) und wir doch ein bißchen aufpassen mögen. 
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