Mitte/Ende Dezember 1996 setzte ich sechs Welse dieser Gattung (auf eine bestimmte Art möchte ich mich hier aus den o.g. Gründen
nicht festlegen) zur Zucht an. Drei hatte ich schon längere Zeit in
Pflege, während die drei anderen dazugekauft wurden.
Das zunächst „normale“ Hälterungswasser wurde schrittweise
mit destilliertem Wasser versetzt, um die in Berlin vorhandene Härte
von >20°dGH zu senken. Außerdem wurde über Torf gefiltert,
um einen geringeren pH-Wert zu erreichen. Das Ergebnis dieser Bemühungen,
die sich bis zum Februar 1997 hinzogen, war ein pH-Wert von 6,5 und eine
Härte von <10°dGH bei einer Temperatur von konstant 25°C.
Auch bei höheren pH- und Härtewerten zeigten die Weibchen bereits
Laichansätze, weitere Aktivitäten blieben aber aus. Das Becken
war bis auf ein kleines Stück Wurzelholz, auf dem als Experiment ein
Ableger einer Grünlilie gebunden war, nicht weiter eingerichtet. Gefiltert
wurde über einen an die Seitenscheibe gehängten Außenfilter,
und zwar nur über Schaumstoff. Zeitweise wurde das Wasser belüftet.
Das Becken wurde nur schwach beleuchtet. Ein- bis zweimal wöchentlich
wurden je 5 l Wasser gewechselt. Das entspricht bei einem Gesamtvolumen
von ca. 20 l etwa 25%.
Bei Meyer kann man nachlesen, daß der CO2-Gehalt des Wassers bei
der Zucht eine nicht unerhebliche Rolle spielt und man diesen mit kohlensäurehaltigem
Mineralwasser erhöhen könne. Daran habe ich mich gehalten und
den Fischen gelegentlich „einen Schluck aus der Pulle“ gegönnt. Ob
sich diese Maßnahme positiv auf das Verhalten der Fische ausgewirkt
hat, kann ich nicht sagen, da mir entsprechende Vergleiche ohne CO2-Zusätze
fehlen.
Gefüttert wurden die Welse zusätzlich zu dem vorhandenen Algenrasen
mit Tubifex, aufgeweichten und gründlich gesäuberten Spinatblättern
und handelsüblichen Futtertabletten.
Ab Februar 1997 suchte ich beinahe täglich die Scheiben nach Eiern
ab, wurde jedoch nie fündig. Um so überraschter war ich, als
ich am 22.02.97 morgens auf dem Beckenboden etwas winziges umherhuschen
sah. Die gezielte Suche auf dem Beckenboden brachte dann noch mehrere der
Welsbabies zum Vorschein. Auch an den Seitenscheiben haben sich nun einige
der kleinen Welse festgesetzt. Insgesamt habe ich im Laufe des Tages zwölf
Babies gezählt. Da ich an den Scheiben keine Eier finden konnte, drängt
sich mir die Vermutung auf, daß der Grünlilienableger als Laichsubstrat
angenommen wurde, zumal ich die Tiere oftmals an den länglichen Blättern
gesehen habe. Auch ein spezielles Balz- oder Ablaichverhalten konnte ich
nicht erkennen. Die einzigste Auffälligkeit war die Tatsache, daß
ab und zu einzelne Welse wie verrückt durch das Becken schossen, so
daß ich schon an Vergiftungserscheinungen dachte, was nach Ermittlung
der Wasserparameter jedoch weitgehend ausgeschlossen werden konnte. Nachdem
Schlupf der Welsbabies durchlüftete ich das Becken durchgehend, um
eine optimale Sauerstoffanreicherung zu ermöglichen. Der Filtereinlauf
wurde mit feinem Gaze umwickelt, damit keiner der kleinen Fischchen versehentlich
eingesaugt werden konnte.
Die Jungwelse waren bei ihrer Entdeckung etwa 4 mm groß, und ich
vermute, daß diese Größe auch der Schlupfgröße
entspricht. Durch eine Lupe betrachtet, erscheint der hintere Teil der
Winzlinge senkrecht gestreift, im Gegensatz zu der oben angesprochenen
Längsbinde der adulten Tiere, die sich vom Kopf bis in die Schwanzflossenwurzel
durchzieht. Bei den Jungwelsen zeigte sich dieser Streifen ab der dritten
Woche. Angefüttert wurden die Welsbabies mit Infusorien und Staubfutter
(sera micron). Da die Otocinclus-Arten wie weiter oben bereits angesprochen
ausgesprochene Algenliebhaber sind, habe ich mir einen Trick einfallen
lassen, der sich bislang bewährt hat. Ich habe mir in einer Glaserei
Gläser zuschneiden lassen, die der Höhe des Aquariums entsprechen.
Diese stelle ich in einem Wasserbehälter auf die Fensterbank und lasse
dem Algenwuchs freien Lauf. So habe ich stets einen Algenvorrat zur Hand.
Im Wechsel stelle ich dann immer eines der Gläser in das Becken, während
das andere Glas auf dem Fensterbrett steht.
Die erwachsenen Welse habe ich nach Entdeckung der Jungfische übrigens
im Becken belassen, und es hat sich gezeigt, daß sie die kleineren
Artgenossen nicht als zusätzliche Mahlzeit betrachten.
Nach ca. zwei Wochen, die Jungwelse waren mittlerweile ca. 11 mm groß,
entdeckte ich im Becken bereits wieder neue Jungfische, die ebenfalls ca.
4 mm groß waren. Wiederum zwei Wochen später habe ich erstmals
Eier entdeckt. Sie sind ca. 1 mm groß und waren an den Seitenscheiben
verteilt. Mir fiel jedoch auf, daß sie immer in unmittelbarer Nähe
einer Aquarienecke in der unteren Hälfte des Beckens angebracht wurden.
Weitere Eier fand ich an der Unterseite eines noch im Becken befindlichen
Futterrings. Am 16.03.97 konnte ich dann auch eine der Larven beim Schlupf
beobachten. Zuerst wird der kleine Schwanz durch die Eihülle gepreßt
und anschließend versucht der kleine Wels durch Schwanzschläge
die Eihülle zu sprengen. Unmittelbar nach dem Schlüpfen haben
die Babywelse eine Größe von 3 - 4 mm, was meine Anfangs gemachten
Beobachtungen bestätigt. Das kontinuierliche Ablaichen im Zwei-Wochen-Rythmus
zeigt, daß man diese Welse auch im Daueransatz halten kann.
Bei der Aufzucht der possierlichen Jungfische sollte man nach meinen
Erfahrungen darauf achten, daß man nicht zu schnell auf härteres
Wasser umsteigt, da es sonst zu Verlusten kommen kann. Dies liegt sicherlich
daran, daß sich in härterem Wasser schädliche Bakterien
oder andere Krankheitserreger schneller ausbreiten können. Zweimal
wöchentlich wird ein Viertel des Aufzuchtwassers gewechselt. Gefüttert
wird mit kleinflockigem Trockenfutter, Futtertabletten oder Frostfutter.
Als Zusatzfutter finden die bereits oben erwähnten „Algenscheiben“
weiterhin Verwendung.
Auch wenn die Zucht dieser possierlichen kleinen Kerlchen oftmals als
nicht ganz einfach beschrieben wird, lohnt sich schon allein die Haltung
dieser Algenvertilger auf jeden Fall.